Erprobungsstufe

Die Erprobungsstufe am Heisenberg-Gymnasium

In seinem Buch „Physics and Beyond: Encounters and Conversations” (Werner Heisenberg, 1971) äußert Werner Heisenberg im Zusammenhang mit der Entwicklung der Quantenmechanik den Satz „Im Allgemeinen erfordert der wissenschaftliche Fortschritt nicht mehr als die Aufnahme und Ausarbeitung neuer Ideen - und dies ist ein Aufruf, den die meisten Wissenschaftler gerne beachten“ (im Original: „In general, scientific progress calls for no more than the absorption and elaboration of new ideas - and this is a call most scientists are happy to heed.“)

Zwar geht es in der Schule nicht um wissenschaftlichen Fortschritt, doch auch am Heisenberg-Gymnasium ist die Aufnahme und Ausarbeitung neuer Ideen ein wichtiger Bestandteil der Schulentwicklung. Nur durch neue, zukunftsweisende Ideen und deren Umsetzung im Schulleben haben wir als Schule die Chance, unsere Schülerinnen und Schüler (im Folgenden SuS) auf eine sich immer schneller verändernde Welt vorzubereiten.

Damit die neuen Ideen einen festen Halt bekommen, starten diese häufig in der Erprobungsstufe, die sozusagen den Nährboden bildet, aus dem die Ideen dann in die anderen Schuljahre hineinwachsen können.

Die Idee der Klassenlehrerteams

Mit dem fünften Schuljahr treten die Kinder in die so genannte Erprobungsstufe ein, die die beiden Schuljahre 5 und 6 umfasst. Im Schulgesetz (§ 13) heißt es hierzu: „Die Erprobungsphase dient der Erprobung, Förderung und Beobachtung der Schülerinnen und Schüler, um in Zusammenarbeit mit den Eltern die Entscheidung über die Eignung der Schülerinnen und Schüler für die gewählte Schulform sicherer zu machen“. Nach dem gemeinsamen Lernen an der Grundschule haben die Schülerinnen und Schüler nun also zwei Jahre Zeit, die neue Schulform „Gymnasium“ zu erproben.

Da die Erprobungsstufe eine pädagogische Einheit bildet, gehen die Kinder automatisch am Ende der fünften Klasse in den sechsten Jahrgang über. Wenn am Ende des sechsten Jahr-gangs die neue Schulform erfolgreich erprobt worden ist, erfolgt eine Versetzung in den siebten Jahrgang, mit dem die Mittelstufe beginnt.

Die Erprobungsstufe ist eine Phase der intensiven und kontinuierlichen Beobachtung. Um dies zu gewährleisten, achten wir auf eine möglichst konstante Lehrerbesetzung. Besonders einen Wechsel der für die SuS besonders wichtigen Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer soll es in der Regel im Verlauf der Erprobungsstufe nicht geben. Zudem werden die Klassen von zwei Klassenlehrerinnen bzw. Klassenlehrern (die Klassenlehrerteams) betreut, die sich regelmäßig über ihre Klasse austauschen. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit, die Kinder aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen und den Eltern eine möglichst umfassende Rückmeldung über die Entwicklung und die Leistungsfähigkeit der Kinder zu geben. Zudem haben die Eltern, aber auch die SuS zwei gleichberechtigte Ansprechpartner bei Problemen und Fragen. Diese Idee der Klassenlehrerteams wird seit vielen Jahren am HeiG umgesetzt und findet bei allen Beteiligten großen Zuspruch.

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Die Idee der Profilbildung

Nach vielen Jahren der Zweigleisigkeit mit einer Musikklasse und einer bilingualen Klasse (Deutsch – Englisch) bekamen die aufgenommen Schülerinnen und Schüler des vierten Jahrgangs erstmals die Gelegenheit sich für den Start am HeiG im Schuljahr 2019/ 2020 in eines von fünf unterschiedlichen Profilen einzuwählen. Zur Auswahl standen die beiden „klassischen“ Profile Musik (mit dem Schwerpunkt „Streichinstrumente“) sowie die bilin-guale Klasse. Diese wurden erstmals ergänzt durch die Profile Deutsch – Kunst, MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) und Sport. Natürlich müssen neben einer Erstwahl auch Ersatzwahlen angegeben werden, damit die Klassenbildung machbar bleibt.  

In den Profilklassen findet jeweils eine Unterrichtsstunde zusätzlich in den Profilfächern statt, so dass wir die Gelegenheit haben, die individuellen Interessen und Fähigkeiten unserer SuS zusätzlich zu fördern, als dies in normalen Klassen der Fall wäre.

Neben der Förderung individueller Interessen haben die Profilklassen zudem den Vorteil, dass die SuS direkt mit dem Start am HeiG in eine Gruppe von Gleichgesinnten kommen – immerhin haben sie sich ja schon mal für den gleichen Themenschwerpunkt entschieden, was für gleichen schulischen und vielleicht auch außerschulischen Interessen spricht. Ob die neue Idee der fünf Profile einen positiven Einfluss auf die Klassengemeinschaft und auf das Lernen haben wird, werden die nächsten Jahre zeigen.

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Die Idee zur Förderung einer guten Klassenatmosphäre

Durch die Profilwahlen befinden sich in jeder Klasse SuS aus etwa fünf bis acht Grundschulen. Hierdurch sind die meisten Mitschülerinnen und Mitschüler am Beginn des fünften Schuljahres erst einmal unbekannt. Hinzu kommen noch die beiden neuen Klassenlehrer sowie etliche neue Lehrerinnen und Lehrer in den Fächern.

Als Voraussetzung für gutes Lernen betrachten wir eine gute Klassen- und Schulatmosphä-re, in der Kinder angstfrei Dinge tun und sagen können, ohne Sorge haben zu müssen belä-chelt oder sogar ausgelacht zu werden. Aus diesem Grund müssen sich die SuS untereinan-der sowie ihre Klassenlehrerinnen und den Klassenlehrer erst einmal kennenlernen und Vertrauen untereinander aufzubauen. Hierbei sind die ersten Tage und die darauffolgenden Wochen besonders wichtig.

Das neue, fünfte Schuljahr beginnt für Ihr Kind mit der Einschulungsfeier im PZ, deren Be-ginn ein Gottesdienst bildet. Mit diesem festlichen Auftakt soll die Bedeutung dieses Tages für die Kinder entsprechend gewürdigt werden. Nach der Feier endet der Schultag allerdings noch nicht.

Damit sich das Klassenlehrerteam und die SuS etwas kennenlernen können, geht es im An-schluss für etwa zwei Stunden in die Klassenräume. Die beiden folgenden Schultage bilden das Einführungsprojekt. Diese Zeit dient dazu, den SuS die Gelegenheit zu geben, „richtig“ an der Schule, im neuen Klassenraum und in der neuen Klassengemeinschaft anzukommen. Unter anderem werden Kennenlernspiele und eine Schulrallye durchgeführt, die vorläufige Sitzordnung wird festgelegt und die Regeln für das Zusammenleben in der Klasse und das Verhalten in den Unterrichtsstunden werden besprochen.

In den weiteren Wochen kommt der so genannten Methodenstunde beim Aufbau einer angenehmen Lehr- und Lernatmosphäre eine besondere Bedeutung zu. Diese findet wöchentlich statt und wird zunächst für den Klassenrat benutzt. Diesen kennen viele SuS bereits aus der Grundschule. Im Klassenrat werden Klassenangelegenheiten (z.B. Streitigkeiten untereinander sowie andere Probleme aber auch organisatorische Aspekte) besprochen und selbstständig von den SuS geklärt. So lernen die Kinder Mitbestimmung, trainieren ihr sprachliches Ausdrucksvermögen und werden in die Lage versetzt Probleme selbständig und ohne Gewalt zu lösen. Im Rahmen der Talentschule kommt der Methodenstunde später noch eine weitere sehr wichtige Funktion zu – dazu aber mehr im nächsten Abschnitt.

Ergänzend zu den innerschulischen Maßnahmen zum Aufbau einer guten Klassenatmosphäre kommen Aktivitäten außerhalb des Schulgebäudes hinzu, die zusätzlich das Miteinander der SuS fördern. Hierzu gehören unter anderem ein Besuch im Tierpark Dort-mund sowie ein Besuch der Stadt und Landesbibliothek Dortmund.

Die Idee zur Förderung einer guten Klassenatmosphäre erweist sich immer wieder als hilfreich im Umgang mit unseren Klassen und einzelnen SuS, so dass sich auch diese Ausrichtung bereits mehr als bewährt hat und durch weitere Ideen noch ausgebaut wird.

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Die Idee des HeiG als Talentschule

Durch die Aufnahme des HeiG in den Kreis der Talentschulen des Landes NRW ergeben sich für uns zusätzliche Möglichkeiten die Talente unserer SuS zu fördern. Durch unsere Entscheidung für die Fördersäule MINT findet diese Förderung inhaltlich mit zwei zusätzlichen Stunden im mathematisch-naturwissenschaftlich-informatorischen Bereich statt. In der Erprobungsstufe werden diese Stunden zur Medienerziehung (d.h. Schulung des  grundlegenden Umgangs mit dem Internet, dem Computer und Standardprogrammen) sowie zur Ausweitung des Biologie- und Physikbereichs genutzt.

Neben der fachlichen MINT-Förderung sorgen neue Ideen für einen Ausbau der „klassischen“ Methodenstunde. Die Methodenstunde wird seit dem Schuljahr 2019/ 2020 von beiden Klassenlehrern begleitet und beinhaltet zum einen den o. g.  genannten Klassenrat, in den nach und nach Aspekte des sozialen Lernens eingebettet werden. Ergänzend finden durch einen der beiden Klassenlehrer individuelle Beratungsgespräche mit den SuS statt. Hierbei können mit den SuS in einem Vieraugengespräch alle Aspekte angesprochen werden, die Einfluss nehmen können auf das Lern- und Arbeitsverhalten der SuS – von A, wie „Angst haben sich zu melden“ bis Z, wie „zu wenig Zeit für die Bearbeitung von Aufgaben“. Die Idee ist dabei, dass durch die intensiven Gespräche und die dabei getroffenen Absprachen ein deutlich positiver Effekt auf das Lernen der SuS eintreten wird. Ob die Idee des HeiG als Talentschule und die damit verbundenen Möglichkeiten den erhofften positiven Einfluss haben werden, wird sich erst im Verlauf der nächsten Jahre zeigen.

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Die Idee der fachangebundenen Lernzeiten (De, En, Ma)

Im Schuljahr 2010/11 startete das HeiG im 5. Jahrgang mit seinem Ganztagsbetrieb. Damit entstanden wie an jeder Ganztagsschule Lernzeiten, um die Aufgaben, die bisher zu Hause erledigt werden mussten, vollständig in der Schule zu erledigen oder dort zumindest einen Großteil davon zu bearbeiten.

Der Schwerpunkt der Lernzeiten liegt in der Erprobungsstufe auf den „Hauptfächern“ Deutsch, Englisch und Mathematik, da die dort trainierten Grundfertigkeiten (sprachliches Ausdrucks- und mathematisches Abstraktionsvermögen) einen besonderen Einfluss auf die Leistungen in fast allen anderen Fächern haben. Aus diesem Grund sind die Lernzeiten direkt an die drei Hauptfächer gekoppelt, die dadurch eine Stunde mehr pro Woche unter-richtet werden. Durch diese Art der Anbindung besteht die Möglichkeit durch eine spontane Variation der Aufgabenstellungen intensiver auf die Bedürfnisse der SuS einzugehen und die SuS mit einer engen Bindung an die Lehrerinnen und Lehrer nach und nach an das eigenständige Lernen und Arbeiten am Gymnasium heranzuführen. Für zu Hause bleiben jedoch trotz dieser Lernzeiten einige Aufgaben, die kaum in der Schule erledigt werden können. Hierzu gehören zum einen noch unbearbeitete Aufgaben aus den Lernzeiten, aber auch das Lernen von Vokabeln, das Lesen einer Lektüre oder das Vorbereiten von Vorträgen oder Wandplakaten. Zudem können Aufgaben in den nichtschriftlichen Fächern (Biologie, Erdkunde, Politik …) über mehrere Tage aufgegeben werden. Hierdurch sollen die SuS trainieren völlig eigenständig ohne die Unterstützung eines Lehrers oder einer Lehrerin Aufgaben zu bearbeiten. Hierdurch erhalten die SuS einen Eindruck von ihren individuellen Stärken und Schwächen.

Diese Idee der fachangebundenen Lernzeiten trifft seit Jahren auf breite Zustimmung. Zur Mittelstufe hin wird diese Form jedoch dann durch eine Lernzeitenstruktur abgelöst, die mehr Eigenverantwortung von den SuS einfordert und sie so langsam auf die Oberstufe vorbereiten soll.

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Die Idee des Schulplaners

Ein erfolgreiches Lernen der Kinder ist ohne eine Unterstützung der Eltern (fast) gar nicht bzw. nur sehr schwer möglich. Denn obwohl die Kinder einen erheblichen Teil des Tages bei uns in der Schule verbringen, ist der elterlicher Einfluss erheblich. Die Eltern sind das Vorbild der Kinder für das Lern- und Arbeitsverhalten sowie die Anstrengungsbereitschaft.

Die Eltern sollten zudem Grenzen setzen, wenn die Freizeitbedürfnisse der Kinder zu groß werden und sich dadurch die schulischen Leistungen verschlechtern. Die Eltern sollten deutlich machen, dass Sie an dem schulischen Erfolg des Kindes Interesse haben. Die Eltern sollten das Kind loben für gute Leistungen und trösten und anspornen bei Misserfolgen, statt zu schimpfen, wenn eine Klassenarbeit schlecht ausgefallen ist. Eine Ganztagsschule kann viele Aufgaben bewältigen, die elterlichen Pflichten kann die Schule aber nicht übernehmen.

Um das Miteinander von Eltern, SuS und Schule zu vereinfachen haben wir einen Schulplaner eingeführt, den alle SuS zu Beginn eines Schuljahres kaufen und immer dabeihaben müssen. In diesem Heft können Eltern mit den Lehrerinnen und Lehrern Informationen zu den Kindern austauschen, um so möglichst schnell auf Schwierigkeiten reagieren zu können. Zudem werden in den Schulplaner Absprachen aus den individuellen Beratungsgesprächen (siehe „Die Idee des HeiG als Talentschule“) eingetragen werden. So bleiben die Eltern immer „auf dem Laufenden“ und die SuS können nochmal nachlesen, wenn sie die Absprachen vergessen haben.

Auch diese Idee des Schulplaners wird seit Jahren umgesetzt und hat sich von einem einfachen Aufgabenheft zu einem wichtigen Dokumentationsheft entwickelt, das kaum noch wegzudenken ist.

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Noch einige Worte an die Eltern

Die Bildung und Erziehung der Kinder auf fachlicher und persönlicher Ebene ist eine schwierige, aber auch spannende und sicherlich lohnende Herausforderung, die wir nur miteinander erfolgreich bewältigen können. Wir sind deshalb auf die Unterstützung der schulischen Arbeit durch die Eltern angewiesen. Wir erwarten deshalb von Ihnen als den Eltern unserer SuS, dass sie an den Sprechtagen und Klassenpflegschaftssitzungen teilnehmen. Weiterhin können bei Bedarf über das Sekretariat Gesprächstermine mit Lehrerinnen und Lehrern Ihres Kindes außerhalb dieser festen Tage vereinbart werden. Sollte der Austausch mit wenigen Sätzen erledigt sein, so können Sie auch einen Text in den Schulplaner Ihres Kindes schreiben. Der angesprochene Kollege oder die Kollegin wird Ihnen dann antworten. Sorgen Sie bitte außerdem dafür, dass nicht das Smartphone den gesamten Tagesablauf der Kinder bestimmt, sondern diese auch noch andere Freizeitaktivitäten haben und auch die schulischen Aufgaben zu Hause erledigt werden können.

Mit den o. g. Maßnahmen möchten wir Grundlagen für eine erfolgreiche Schullaufbahn am Heisenberg-Gymnasium anbieten. Die erfolgreiche Umsetzung kann jedoch nur mit den Kindern und den Eltern zusammen gelingen.

Jörg Rüwald (Erprobungsstufenkoordinator)

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