Veröffentlicht am 15.07.2026

Wir wollen das nicht. Wir sind viele und wir sind bunt.

Über die Lesung des Romans „Wir doch nicht“  von Nora Burgard-Arp oder:  „Wenn Demokratie keine Selbstverständlichkeit mehr ist“.

Was wäre, wenn eine nationalsozialistische Partei in Deutschland die alleinige Regierungsgewalt hätte? Wie würde unser Leben in Deutschland in einer Diktatur heutzutage aussehen? Wie wäre die Stimmung im eigenen Land? Wie erleben unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen dieses Regime? Und was würde das vor allem mit den jungen Menschen in Deutschland machen?
Mit Fragen wie diesen hat sich Nora Burgard-Arp, Journalistin bei der Zeit, in ihrem dystopischen Roman “Wir doch nicht”, im Jahr 2022 zum ersten Mal erschienen, intensiv auseinandergesetzt. 

Für die Entstehung des Romans hat die Journalistin lange Zeit recherchiert. Sie tauchte dazu unter anderem in die Kommunikationsplattformen rechtsextremer Milieus ein und sprach mit Expertinnen und Experten über Ideologien, Pläne, Parteiprogramme sowie Strömungen in der rechtsextremen Szene. Diese tiefgehende Vorbereitung macht den Roman zu mehr als nur einer Geschichte – er ist eine fundierte Auseinandersetzung mit der Frage, wie schnell eine freie Demokratie in ein totalitäres Regime umschlagen kann und welche Folgen dies für die Gesellschaft haben kann. 
Das Ergebnis ist eine dystopische Erzählung, die ein beklemmendes Szenario einer möglichen Zukunft unter einer nationalsozialistischen Diktatur zeichnet. 

Die Handlung spielt in Hamburg, etwa 30 Jahre in der Zukunft. Im Zentrum der Handlung steht die 37-jährige Mathilda, die in einer Diktatur, regiert von der SfDD („Sieg für Deutschland und die Deutschen“), lebt. 
Geschickt verbindet der Roman die Schilderungen von Mathildas beklemmenden Alltag in der Diktatur mit Rückblicken in ihre Vergangenheit, ihre Kindheit und Jugend. So wird für die Leserschaft greifbar, wie die Freiheit Schritt für Schritt verloren geht – vom Aufstieg der rechten Partei LFD bis zur späteren Machtübernahme der noch extremeren SfDD - beide durch demokratische Wahlen an die Regierung gekommen.
Die Protagonistin Mathilda aber schweigt lange Zeit zu den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen um sie herum und sieht dabei zu, wie Freunde und Familie unter den Veränderungen durch den politischen Rechtsruck leiden, eingeschränkt werden oder gar davor fliehen. Lange Zeit verschließt Mathilda davor die Augen: Es wird schon alles nicht so schlimm werden… 
Erst als sie persönlich betroffen ist und in ihrer Freiheit, insbesondere in ihrer Rolle als Frau eingeschränkt und zum Teil vom Regime instrumentalisiert wird, leistet Mathilda mit einem drastischen Schritt Widerstand und setzt damit ihr Leben aufs Spiel.

„Wir doch nicht“ beschreibt den Alltag in einer Diktatur, in der vor allem Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte, politische Gegner oder queere Menschen immer stärker unterdrückt und in ihren Möglichkeiten und Freiheiten eingeschränkt werden, und wie eine freie Demokratie zu einem totalitären Regime wird.

Im Rahmen der Lesung Anfang Juli in der Jugendfreizeitstätte in Eving las die Autorin unseren Schüler*innen der Akademie „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ sowie einigen interessierten Schüler*innen der Q1 und der EF eindrückliche Szenen aus ihrem Roman und gab ihnen ausreichend  Raum für Fragen und angeregte Gespräche. Dieser intensive Austausch machte deutlich, welche Gefahren auch heute aus der politisch rechten Szene existieren, zeigte aber gleichzeitig auch wirksame Wege der Prävention und der angemessenen Gegenreaktion auf.
Wir laden alle (ab der 9. Klasse) dazu ein, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen – sei es im Unterricht, im Rahmen von Projekten oder in persönlichen Gesprächen innerhalb der Familie. Denn das Motto „Wir wollen das nicht. Wir sind viele und wir sind bunt“ ist ein starker Appell, den wir gemeinsam in unserer Schulgemeinschaft leben sollten.

Wir bedanken uns bei Nora Burgard-Arp für ihre wichtige Arbeit und ihre Zeit.
Danke, dass du da warst.