Veröffentlicht am 20.09.2021

Projekttag zum Thema „GRENZGESCHICHTEN – Persönliche Berichte der Flucht“ am Donnerstag, den 09.09.2021

Das Thema „Flucht“ ist in der öffentlichen Diskussion der Bundesrepublik, auf Grund unterschiedlicher Ereignisse, wieder hochaktuell. Laut den Vereinten Nationen müssen Menschen wegen Diskriminierung, Gewalt, klimatischen Veränderungen oder Konflikten die Grenzen der Heimat überschreiten. Aus diesem aktuellen Anlass soll durch den Projekttag „GRENZGESCHICHTEN – Persönliche Berichte der Flucht“ den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe Q2 des Heisenberg-Gymnasiums das Thema „Flucht und Fluchtursachen“ aus unterschiedlichen Perspektiven nähergebracht werden. 

Den Jugendlichen soll vermittelt werden, dass das Thema „Flucht“ kein Phänomen heutiger Tage ist, sondern die Bundesrepublik Deutschland seit ihrem Bestehen prägt. Durch die deutsche Vergangenheit soll das Verständnis für aktuelle Fluchtsituationen gefördert werden.

Das Thema ist vielseitig und ermöglicht eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Integration, Ausgrenzung und Rassismus und kann einen wichtigen Diskurs zu wesentlichen Grundwerten der Demokratie leisten. „Was veranlasst Menschen zur Flucht?“, „Welche Ängste begleiten sie?“, „Was veranlasst Menschen zur Ablehnung Geflüchteter?“ sind nur einige von vielen Fragen, die sich im Zusammenhang mit diesem Thema stellen.

Der Projekttag am Donnerstag, den 09.09.2021, war unterteilt in drei Blöcke. Nach einer kurzen Vorstellung des Projekts wurde sofort durch ein Quiz und Stimmungsbilder ein Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler hergestellt. Anhand ikonischer Fotographien wurden anschließend verschiedene Epochen von Flucht betrachtet. Dieses war für die Jugendlichen äußerst konfrontierend, da Bilder präsentiert wurden, die szenisch große Gemeinsamkeiten aufwiesen, jedoch mit einer zeitlichen Differenz von 70 Jahren (1945 & 2015) aus ganz unterschiedlichen Zeiten stammen. Der Artikel 16a GG wurde im Hinblick auf die Begriffe „Asyl“, „Subsidiärer Schutz“, „Migration“ und die Genfer Flüchtlingskonvention kritisch in den Blick genommen. Durch Präsentationen und erarbeitete Beiträge gab es für die Teilnehmenden hier die Möglichkeit am Projekttag aktiv mitzuwirken. Der DDR-Zeitzeuge Mario Röllig nahm anschließend die Teilnehmenden mit auf eine persönliche Reise in seine Vergangenheit in der DDR und berichtete authentisch von seiner innerdeutschen Flucht. Er zeichnete ein Bild von einem zunächst sehr schönen Leben, welches aber schließlich durch das Einwirken der SED eine unfassbar tragische Wende nahm. Getrieben zum Verrat, gegen den er sich unter Inkaufnahme von (misslungener) Flucht mit anschließender Gefangenschaft im „Stasi-Gefängnis“ Berlin-Hohenschönhausen, mit aller Kraft wehrte, fand Mario Röllig schließlich den Weg in die Freiheit. Eine sehr beeindruckende Biografie, die allen Zuhörenden eindrucksvoll vor Augen führte, welchen Wert Freiheit hat. In der abschließenden Podiumsdiskussion mit Menschen mit persönlicher Fluchtgeschichte und/oder mit Menschen, die sich hauptberuflich und ehrenamtlich mit dem Thema „Flucht“ beschäftigen, konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen zum Thema Flucht im Allgemeinen stellen und bekamen die Möglichkeit durch die Erzählungen, selbst aus z.B. Syrien geflüchteter Menschen, einen Einblick in die Situation vor Ort, aber auch hinsichtlich des Lebens auf den Flüchtlingsrouten. Auch die besondere Rolle Deutschlands im internationalen Vergleich wurde während des Austausches thematisiert.

Am Heisenberg-Gymnasiums organisiert wurde der Projekttag durch Jens Reymann, der Veranstalter dieses Projekttages ist der „Verein für Jugend- und Erwachsenenbildung e.V.“ und gefördert wird das Projekt durch die „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“.